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Twike – Eco-Fahrzeug mit Zukunft?


Author Message
Written on: 01 September 2007 [16:04]
ecoadmin
Administrator
Topic creator
registered since: 20.07.2007
Posts: 585
Ich bin seit Jahren ein Supporter des TWIKE. Die Idee des Fahrzeuges (elektrischer Antrieb, gekoppelt mit Muskelkraft) überzeugt. Das TWIKE ist sehr effizient und verbraucht ca.10x mal weniger Energie als ein herkömmlicher Personenwagen. Zudem kann sich der Fahrer auf Wunsch sportlich betätigen was fit hält und Spass macht.
Im Frühsommer 2007 habe ich mir ein TWIKE für eine Woche gemietet um es ausgiebig zu testen.
Das gemietete TWIKE 499 ist edel ausgestattet und hat 3 SANYO 3.6CP Batterien eingebaut.
Ich möchte nicht näher auf technische Details eingehen, es soll hier hauptsächlich über die Alltagstauglichkeit berichtet werden.

Fahren:
Das TWIKE ist einfach zu 'pilotieren' und innert weniger Fahrkilometer hat man sich an die ergonomisch platzierten Schalter und Knöpfe gewöhnt. Eingeschaltet wird es indem man einen Code am Control-Panel eingibt. Das TWIKE beschleunigt problemlos, sodass man gut im Verkehr mitschwimmen kann. Zur Verfügung stehen zwei Beschleunigungsstufen. Wer die Batterien schont fährt länger. Daher habe ich jeweils versucht die erste Beschleunigungsstufe zu wählen. Das Display in der Mitte des Fahrzeuges gibt Auskunft über die gefahrenen Kilometer, verbleibende Batteriekapazität, Batterietemperatur, Geschwindigkeit u.v.m. Gebremst wird wenn möglich durch Rekuperation, d.h. Bremsenergie wird in die Batteriemodule zurückgespeichert.
Fährt man Kurven zügig, kommt etwas das Gefühl von Instabilität auf. Eine Vollbremsung wird durch den Pedalrücktritt erreicht und der Bremsweg ist erstaunlich kurz.
Bei Regen steht ein Scheibenwischer zur Verfügung und gegen das Beschlagen der Scheibe gibts eine Scheibenheizung. Das Oeffnen des Verdecks auf der Seite hilft ebenfalls klare Sicht zu behalten. Das TWIKE ist sehr gut manöverierbar und man hat nie Mühe einen Abstellplatz zu finden.

Tanken (Nachladen)
Die grösste Sorge wenn man sich an benzin- oder dieselbetriebe Farhzeuge gewöhnt ist und auf eine Elektrofahrzeug umsteigt, ist wohl das Auftanken bzw. Nachladen.
Das TWIKE 499 erreichte mit den drei Sanyo Batterien eine Reichweite von ca. 60km.
Wird agressiv gefahren und stets mit hohem Tempo, sinkt die Reichweite. Mit vorausschauender Fahrweise und Muskelkraft waren auch Reichweiten von über 70km möglich. Die Reichweite wird für die meisten Einsätze also problemlos reichen. Muss einmal nachgeladen werden, kann eine Schnellladung in ca. 2 Stunden durchführt werden. Laden ist einfach: Das TWIKE wird an eine normale Steckdose gehängt und die Ladetaste am Control-Panel betätigt. Sind die Batterien zu warm, steht die Schnellladung nicht zur Verfügung.Es lohnt sich also das TWIKE im Schatten zu parkieren bzw. das Verdeck zu öffnen bei Sonnenschein und erhöhten Temperaturen.
Stromtankstellen gibt es in der Schweiz und in Deutschland bereits relativ viele und man läuft kaum Gefahr mit leeren Batterien stehen zu bleiben. Falls es dennoch mal nicht zu einer offiziellen Ladestation reicht, dann muss man in der Nähe eines Restaurants, Ladens, Feuerwehrmagazin, Gemeinde oder bei privaten Personen meist nicht lange suchen. Die meisten sind gerne bereit Hilfe zu geben wenn man fragt.
Benutzt man das TWIKE vorwiegend in seiner näheren Umgebung findet man schnell heraus wo man nachladen kann – genauso wie man die Benzin-Tankstellen kennt in seiner Umgebung.
Ist man zuhause angekommen, kann man eine Langsamladung über Nacht durchführen.

Ausstattung/Komfort
Unser TWIKE hatte eine Innenverkleidung in Form eines Teppichs. Zusätzlich war ein CD-Player installiert der das entspannte Fahren in der Landschaft zu einem Genuss machte. Die Platzverhältnisse sind nicht gerade berauschend, die Sitzposition jedoch sehr angenehm sportlich. Auch Grossgewachsene (ich bin 1.85m) können problemslos fahren, da der Sitz in Höhe und Länge verstellt werden kann. Es hilft wenn man nicht allzu korpulent ist, ansonsten kann es etwas eng werden. Der Ein- und Ausstieg ist problemlos, da sich das Verdeck weit nach oben öffnen lässt.
Für den täglichen Einkauf reicht der Platz problemlos und auch Gepäck für ein Wochenende im Grünen ist kein Problem. Reist man alleine kann man auch den Beifahrersitz noch mit Gepäck auslasten.

Soll ich mir ein TWIKE kaufen?

Nach einer Woche TWIKE-fahren fiel es mir schwer das Fahrzeug zurück zu geben. Es hat mir enorm viel Spass bereitet mit einem effizienten und umweltfreundlichen Fahrzeug unterwegs zu sein. Nach einigen Tagen wird das Nachladen, das Parken und die neugierigen Blicke von Passanten zur Routine.

Der Preis spielt bei Kaufentscheidungen für Fahrzeuge eine wichtige Rolle. Das TWIKE ist unter dem Strich nicht teurer als ein kleiner benzinbetriebener Personenwagen. Der Unterhalt ist massiv günstiger und Benzinkosten entfallen. Die Stromkosten sind minim.Das TWIKE hat allerding einen recht hohen Anschaffungspreis. Zudem bietet es nicht den Komfort und die Reichweite eines Kleinautos. Vergleiche mit einem Personenwagen empfinde ich als schwierig, denn das TWIKE passt als dreirädriges Leicht-Elektrombil nicht in die Kategorie Personenwagen.
Ob es finanziell Sinn macht bzw. ob man sich ein TWIKE anschaffen soll, hängt viel mehr mit der Lebenssituation zusammen.
Das TWIKE (wie jedes Auto) kann den ÖV sehr sinnvoll ergänzen. Ist man häufig auf Kurzstrecken unterwegs und kann oder möchte man die Unabhänigkeit die ein Auto bietet nicht aufgeben, ist ein TWIKE ein ideales Fahrzeug. Ist ein gutes Netz an Stromtankstellen vorhanden wird der Einsatzbereich des Fahrzeuges zusätzlich erhöht. Zudem ist das TWIKE durch seinen geringen Energieverbrauch sehr viel umweltfreundlicher als ein Personenwagen. Vor allem dann, wenn die Energie aus erneuerbarer Quelle stammt.

Bei meinem nächsten Autokauf werde ich mich spätestens entscheiden müssen: Bin ich bereit meinen Beitrag zu einer nachhaltigeren Mobilität zu leisten?

Fazit
Das TWIKE ist trotz seines Alters (Die ersten TWIKE wurden vor ca. 10 Jahren ausgeliefert), immer noch visionär und ist immer noch eines der energie-effizientesten Fahrzeuge auf dem Markt. Das Fahrzeug hat verschiedene Dauertests gemacht und seine Qualtitäten bewiesen.
Wenn das TWIKE weiterentwickelt wird (neue Batterietechnologien), dann wird es weiter seinen Platz im Elektromobilmarkt behaupten können. Es drängen allerdings neue Elektrofahrzeuge auf die Strasse, die dank neuen Batterietechnologien mehr Komfort und eine grössere Reichweite versprechen. Einige davon sind schon als Prototypen auf der Strasse, andere in den Startlöchern. Dies ist sicher gut so und wird die Preise positiv beeinflussen. Werden Batteriemodule generell günstiger und die Reichweiten erhöht beim TWIKE, dann dürfte es ein sehr attraktives Fortbewegungsmittel werden. Ob man warten soll oder besser jetzt schon zugreifen sollte, ist schwierig zu beantworten. Schon oft sind Fahrzeuge versprochen worden, da es zu finanziellen Engpässen kam, jedoch nie zur Serienreife gelangt. Das TWIKE wäre aber bereits hier und wartet auf Kunden. In der Zwischenzeit schwitzt unser Planet weiter...

Stefan
ecoadmin

Die englische Uebersetzung folgt...

Twike 890 http://images.spritmonitor.de/461746.png
Written on: 05 September 2007 [17:57]
Yardonn
registered since: 22.08.2007
Posts: 160
Seit ich das Twike vor ein paar Jahren im Internet gefunden hab, fand ich es gut. Nur leider unakzeptabel teuer.
Auch ich habe dieses Jahr eine Woche Twike gefahren (selber nur 5 Tage, in denen aber fast 1000 km...) und ich finde Twikefahren absolut toll.
Aber ich hab auch eine andere Sicht darauf kennengelernt. Meine Frau ist weder vom Sitzkomfort noch vom Platzangebot (besonders der Beifahrer hat ein Problem mit den Armen...) wirklich begeistert. Und auch wenn der "Kofferraum" garnicht schlecht ist, so kauft meine Frau leider nicht selten mehr ein, als hinten rein gehen... Und wenn der Hund noch mit drin ist, dann ist wirklich nicht mehr viel Kofferraum verfügbar (aber unser Hund liebt Twikefahren!!!)

Altagstauglichkeit:
Leider immer noch Probleme mit dem beschlagen der Frontscheibe bei sehr feuchtem Wetter. Die "Reiseföns" schaffen es leider nicht, die gesamte Frontscheibe (eigentlich den Seitenscheibenbereich der Kuppel) frei zu kriegen, so daß der Stadtverkehr leider zum Seitlichen Blindflug wird...
Leider geht so ein Wetter dann auch noch heftig auf die Reichweite, weil Lüfter, Licht (aus Sicherheitsgründen bei schlechter Sicht) und kaum mit treten (beim Schwitzen bei so einem Wetter kann man die Lüfter gar nicht mehr ausmachen...) sich zu einer ziemlich Batteriefressenden Angelegenheit entwickeln! Für wirkliche Alltagtauglichkeit muss wohl eine Standheizung her (mehr Gewicht und noch mal locker 2000€...). Und wenn man wie ich etwas erhöht wohnt, hat man sehr leicht das problem, das man einfach den letzen Berg nicht mehr raufkommt...

Batterietechnik:
NiMh ist leider im Twike zur Zeit sowohl völlig unwirtschaftlich (wenn die Akkus die Herstellerspezifikation halten (was wohl zur zeit auch nicht erreicht wird...), dann ist man bei Akkuskosten von ca. 15 cent pro Kilometer... unaktzeptabel). Und die somit einzig verfügbaren Akkus sind als NiCd-Akkus leider mit dem Memory-Effekt behaftet, so das man das Twike nicht einfach laden kann, wann man will (wenn man die volle Reichweite braucht...). Um gegen dem Memory-Effekt zu kämpfen, muss man bei realistischem Gebrauch leider einiges an Energie und Akkulebensdauer verbraten ("sinnlose" Entladevorgänge). Auch verbrauchen die Akkucontroller wohl so viel Strom, das man ein Twike nicht einfach mal einen Monat stehen lassen kann, ohne das die Akkus tiefentladen werden.
Auch ist die Ladezeit von ca. 2 Stunden bei Schnellladung manchmal einfach ein wenig zu lang...

Antrieb:
elektrisch: toll! sehr gute Beschleunigung für nominel so wenig Leistung.
Pedale: Leider ist das Twike mit Pedalen allein keinesfalls einen Berg herrauf zu bekommen. Zu hohes Gewicht (incl. Fahrer...) und "fehlende" Gänge machen dieses Unterfangen technisch unmöglich. Wenn der Akku leer ist, hilf nur noch schieben, das geht aber ganz gut...
Auch beträgt der "zutretbare" Anteil selbst bei Sparfahrt (konsequent zwischen 30 und 40 km/h, bergige Strecke) nur ca. 30 % (Reichweit ca. 120 km mit 10 Ah Batteriesatz). Mehr ist einfach nicht drin als Einzelfahrer, wenn man nicht Profiradfahrer ist...)

Finanzielles:
Vom Anschaffungspreis sollten die Akkukosten abgezogen werden. Diese sind meiner Meinung nach im voraus bezahlte Verbrauchskosten. Aber selbst mit ungefähr 15.400€ (Minimalpreis Active ohne Akkus) ist das Twike (auch gebraucht...) wesentlich teuer als jeder Kleinwagen. Leider sind die Unterhaltskosten, wenn man dazu die Akkuskosten zählt, nicht unerheblich. Auch wenn manche Blöck sehr lange Fahren, muss man doch davon Ausgehen, das ein NiCd-Akku soätestens nach 5 Jahren auszutauschen ist, wenn man die volle Leistungsfähigkeit braucht. Also auch wenn der Akkutausch etwas billiger ist als die Neuanschaffung bedeutet das bei einem aktuellen Doppelsatz unabänderliche Fixkosten von 1000€ pro Jahr. Ebenso ist der Akku wohl im realistischen Gebrauch wohl nach ca. 60000km nicht mehr so ganz auf der Höhe seiner Ursprungsleistungfähigkeit. Macht Kilometerkosten von ca. 10 Cent pro Kilometer. Plus ca. 1 Cent für Strom. Auch wenn die sonstigen Kosten relativ gering sind, war das der Punkt, wo es für mich nicht mehr wirtschaftlich war, für eine derartig beschränkte Transportkapazität so viel Geld zu zahlen.

Fazit:
Das Twike ist mit den aktuellen Batterien leider nur in seltenen Fällen ökonomisch zu betreiben (regelmäsige Strecken, oder viele Kurzstrecken...). Ich konnte in meinem Fall nicht exakt errechenen, ob das Twike überhaupt günstiger wäre, als ein etwas größerer Kleinwagen (Peugot 206 SW). Auf jeden Fall hätte es sich nicht viel gegeben (egal nun in welche Richtung). Und wenn man dann auf die Trnasportkapazitäten schaut (und viele unregelmässig befahrene Strecken hat), dann ist die Entscheidung leider einfach. Auch wenn ich gerne Twike fahren würde, so wird das wohl mit dieser Akkutechnologie nicht passieren! Ohne eine andere Akkutechnologie (NanoSafe-Batterien, etc...) mit günstigeren Kosten pro AH und ohne Memoryeffekt wird das Twike nur eine ganz enge Niesche besetzen können. Leider!!!
Nachdem mein Twiketraum jetzt wohl länger auf Eis liegt, habe ich mich den Velomobilen zugewand, um wenigsten mich alleine nicht mehr mit über einer Tonne Blech durch die Gegend bewegen zu müssen. Momentan arbeite ich daran, ein Alleweder (www.leichtfahrzeuge.de) zu erwerben, das zwar nicht Autobahntauglich ist, dafür aber auch mit leeren Batterien noch gefahren werden kann. Der (bei Selbstbau) relativ geringe Preis (ca. 5.500€) und der noch viel geringer Stromverbrauch als beim Twike machen die Alleweder-Kilometer dann tatsächlich wirtschaftlich.

Alleweder 4
http://www.akkurad.com
allmost full weather protection for one person at 0 - 1.5 kWh / 100 km
CityEl as secondary E-Car
Written on: 07 September 2007 [10:22]
ecoadmin
Administrator
Topic creator
registered since: 20.07.2007
Posts: 585
Hallo Yardonn,
Vielen Dank für deinen ausführlichen TWIKE-Bericht! Wir scheinen in etwa die gleichen Erfahrungen mit dem TWIKE gemacht zu haben.

Interessant wäre an dieser Stelle natürlich die Meinung von langjährigen TWIKE-Piloten. Was sind eure Hoffnungen für das TWIKE der Zukunft?
Hat es eine Zukunft und was würdet ihr ändern?

Twikige Grüsse
ecoadmin


Twike 890 http://images.spritmonitor.de/461746.png
Written on: 09 September 2007 [19:08]
Franko30
Administrator
registered since: 08.09.2007
Posts: 88
ecoadmin wrote:

Interessant wäre an dieser Stelle natürlich die Meinung von langjährigen TWIKE-Piloten.


Hallo,

ich fahre zwar nicht "langjährig", aber immerhin schon ein Jahr Twike. September bis Ende Dezember 2006 leihweise ein älteres Twike, seit Januar 2007 mein Twike 808 - ein Neufahrzeug (mit nun knapp 12000 gefahrenen Kilometern bis heute). icon_biggrin.gif

Zur Information:
Das Twike ist mein Hauptfahrzeug. Ich wohne im ländlichen Bereich, der ÖPNV hat tagsüber zu lange Taktzeiten und hört nach 18 Uhr sowie in den Schulferien auf überhaupt nutzbar zu sein. Ich arbeite vorwiegend zuhause, nutze das Twike fürs Einkaufen, Kino, sonstige Freizeitfahrten - aber auch für alle geschäftlichen Termine in Reichweite. Soll es mal weiter weg sein, ist das Twike mein Bahnzubringer oder ich leihe mir ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor (z.B. von meiner Frau) - am liebsten fahre ich jedoch Bahn, weil ich da während der Fahrt am Laptop arbeiten kann.

Ich möchte an dieser Stelle also eine Lanze fürs Twike brechen:

Für mich stellt sich die Situation anders dar, als für euch beide: Es war klar, ich würde für ein neues Fahrzeug sowieso um die 25.000,- EUR ausgeben, die Preisfrage stellte sich also nicht. Die ausschlaggebenden Kriterien waren der Verbrauch und die Frage "Kann ich mein Fahrzeug umweltfreundlich mit einem nicht fossilen Energieträger fahren?". Somit schied schonmal jedes Fahrzeug mit Verbrennungsmotor aus: Biodiesel verbraucht z.Zt. bei der Herstellung genausoviel fossile Energie, wie es dann später als Brennwert hat und Biogastankstellen gibt es erst 2 oder 3 mal in Deutschland.

Zudem wollte ich ein Fahrzeug in dem ich mich bewegen kann (ich sitze den ganzen Tag und hasse Fitnessstudios oder jeglichen sonstigen Sport) und in dem das Fahren einfach Spass macht. Und das Verbrennen fossiler Energie fällt nicht unter meine Definition von Spass...

Ändern/Verbessern würde ich die Belüftungssituation (mittreten bei Kälte erzeugt manchmal beschlagene Scheiben) und die Batterien (NiCd ist eine sterbende Technologie - obwohl mit der Lade-Entladelogik ein Zubehör existiert, das den Memoryeffekt als Problem beseitigt). In Bern wird die Fine Mobile die LiIon-Akkus vorstellen, bleibt also nur noch die Belüftungssituation. Auch diese ist relativ einfach lösbar: Die Abwärme des Motors mittels Lüftungsschlauch, welcher einen schaltbaren Lüfter mit wenigen Watt hat, nach vorne zur Scheibe leiten. Der Motor ist (weil er beim Ladevorgang benutzt wird) immer warm, daher prädestiniert um die nötige Wärme zu liefern. Bei einem Bekannten ist diese Lösung als Selbstbau bereits in Twike 806 erfolgreich im Einsatz. Bleibt nur noch, die Fine Mobile davon zu überzeugen. Da man als kleine Manufaktur in einer Modellreihe aber nicht allzuviele verschiedene Versionen haben will/kann wird diese Neuerung realistisch erst mit der Verfügbarkeit von LiIon Akkus in 2008 umgesetzt werden können. Alternativ böte sich auch an, einen Twike Händler/Service von diesem Konzept zu überzeugen - diese könnten es dann als Nachrüstoption anbieten - denn nicht alle Twike Piloten scheinen ein Problem mit der Belüftungssituation zu haben.


Nun ausführlich zu den Kosten:
Sollte es wirklich nur um die Kosten gehen ist es einfach schwierig einen Vergleich mit anderen Fahrzeugen herzustellen - zumal manche (nicht unwesentliche) Kosten wie Versicherung oder Service-Häufigkeit und -Kosten stark vom individuellen Fahrverhalten abhängen. Machen wir dennoch einmal die Rechnung auf. Zunächst die einzelnen Posten:

  • a) Versicherung: Mein Twike kostet mich 170,- EUR im Jahr (Haftpflicht und Vollkasko mit 300 EUR SB/150 EUR SB für den Teilkaskoanteil) - der Smart ForFour meiner Frau kostete hier bei der Württembergischen schon ca. 500,- EUR pro Jahr und nun bei der DA Direkt immer noch ca. 400 EUR.

    b) Servicekosten: Da wird es nun schon etwas schwieriger - die genauen Preise sind am Ende dieses Forumeintrags zu finden. Beim Twike sind im ersten Jahr bei meiner Kilometerleistung mehrere Servicetermine fällig, beim Smart waren das im ersten Jahr nur die kostenlosen diversen Mängelbeseitigungen und ein Service. In einer Gesamtbetrachtung zeigt sich das Twike in Jahr 1 und 2 bei den Servicekosten jedoch deutlich kostenintensiver als unser Smart FourFour - im ersten Jahr (15-20000 km) kostet das Twike ca. 767 EUR, der Smart FourFour ca. 245 EUR. Jedoch blieben zusätzliche notwendige Massnahmen für den Smart wie z.B. Marderschäden (200 EUR) und der Einbau einer Marderabwehranlage (317 EUR), sowie andere Arbeiten am Twike für 169 EUR unberücksichtigt...

    c) Treibstoffkosten: Der Smart FourFour wird von meiner Frau sparsam mit ca. 6l Diesel/100 km gefahren, ich fahre mein Twike mit 7,6 kWh/100 km. Den Dieselpreis setze ich mal mit 1,10 EUR/l im Jahresdurchschnitt, meine Sromkosten fürs Twike mit brutto 20,5 Cent/kWh an (Ökostrom EWS Schönau inkl. freiwilliger "Spende" von 1 Cent/kWh für Rebellenkraftwerke, Zählerkosten bleiben unberücksichtigt, da diese in einem Haushalt "Sowiesokosten" sind). Die Fahrleistung von Twike und Smart sind in etwa gleich bei 15000 km im Jahr. Der Smart braucht also 900 l Diesel, wofür 990 EUR zu zahlen sind. Das Twike benötigt 1140 kWh, wofür 233,7 EUR zu zahlen sind.

    d) KfZ-Steuer: Der Smart FourFour kostet 231 EUR im Jahr, das Twike ist 5 Jahre von der KfZ-Steuer befreit, Twikes die schon zahlen müssen kosten ca. 20 EUR im Jahr (habe ich gehört). Dieser Unterschied wird nach Einführung einer CO2-abhängigen KfZ-Steuer sicher noch deutlicher ausfallen.

    e) Wertverlust: Ein wesentlicher Faktor für eine Gesamtkostenbetrachtung - aber auch wieder von den individuellen Gegegebenheiten abhängig. Hier ist das Twike auf jeden Fall deutlich besser als ein 'normales Auto'. Wenn wir uns die Gebraucht-Twike-Preise so anschauen, sehen wir, dass nach 6 Jahren immer noch um die 10.000 EUR erzielt werden können (je nach Ausstattung und Batteriezustand) - dies entspricht ca. 50 % des Basispreises für derzeitige Twike Neuanschaffungen. Bei sonstigen Autos haben wir laut focus.de schon nach 4 Jahren einen Wertverlust von 35-65 % - also kann man nach 6 Jahren sicherlich von 70 % Wertverlust ausgehen. Für unseren Smart FourFour bedeutet dies, dass wir nach 6 Jahren 70 % des Anschaffungspreises von 21321 EUR verloren haben - also 14924,70 EUR (Restwert 6396,30 EUR). Mache ich diese Rechnung für ein Basis-Redesign-Twike mit 2x5.0 NiCd Akkus, unlackiert, Entladelogik und Sonnenland-Verdeck laut 2007er Preisliste auf, so haben wir einen Preis von ca. 24000 EUR. Davon 50 % nach 6 Jahren, sind ca. 12.000 EUR Wertverlust, aber immer noch 12000 EUR Restwert.

    f) Der ADAC rechnet "eine Pauschale von jährlich 200 Euro z.B. für Parkgebühren, Landkarten, Haupt- und Abgasuntersuchung, Kleinzubehör usw." ein - dies kann man beim Twike sicher halbieren (kaum Parkkosten, keine AU).

    g) Der ADAC rechnet "eine Pauschale von 250 Euro für Wagenwäsche und Pflege pro Jahr". Auch hier kann ich aus eigener Erfahrung sagen: Das Twike ist hier sicherlich nur halb so teuer. Bei der SB Wäsche komme ich mit dem Twike mit 4 EUR fürs Waschen und Saugen hin, beim Smart FourFour mit mind. 8 EUR.


So, nun die 6-Jahres-Gesamtrechnung (ohne Inflation und Preissteigerungen!) mit 15000 km Jahresleistung, also 60000 km.

Smart FourFour:
6x Service zu 245, 12x Radwechsel zu 57 EUR (jeweils Sommer und Winterreifen - wichtig für Versicherungsschutz im Winter), 2 Sätze neue Reifen 506 EUR, 2x TÜV (erster TÜV Termin nach 4 Jahren, Kosten jeweils ca. 50 EUR), 6x AU (Kosten ca. 30 EUR), Reparaturkosten wie Marderschäden o.ä. 6x200 EUR, Unvorhergesehenes 6x100 EUR, Versicherung 6x400 EUR, KfZ Steuer 6x231 EUR, Pauschale nach f) 6x200 EUR, Pauschale nach g) 6x250 EUR, Treibstoffkosten 6x990 EUR, Wertverlust 14924 EUR
Gesamtkosten in 6 Jahren: 32596 EUR

Twike:
6x Service zu 303 EUR, 8x Service zu 232 EUR, 12x Radwechsel zu 57 EUR (wegen unterschiedlicher Reifenlaufleistung), 8 Sätze neue Reifen zu 111 EUR (im Schnitt alle 7500 km), 3x TÜV (Kosten ca. 50 EUR), Reparaturkosten wie lockere Stabis o.ä. 6x200 EUR, Unvorhergesehenes 6x100 EUR, Versicherung 6x170 EUR, KfZ Steuer 1x20 EUR, Pauschale nach f) 6x0,5x200 EUR, Pauschale nach g) 6x0,5x250 EUR, Treibstoffkosten 6x233,7 EUR, Wertverlust 12000 EUR
Gesamtkosten in 6 Jahren: 22988,20 EUR


Und mit den übrigen 10000 EUR kann man locker viel Taxi und Zug fahren und zudem (sollte das Twike das einzige Fahrzeug im Haushalt sein) in einem Car-Sharing mitmachen, was sogar bei mir in einer ländlichen Region ginge.

Natürlich stellt sich diese Rechnung für andere Fahrzeuge anders dar - aber selbst mit einem Kleinwagen der nur 10000 EUR kostet ist demnach das Twike nicht teurer als ein Fahrzeug welches in Form fossiler Treibstoffe unsere Zukunft verbrennt...

Diskussionen um "da und dort bekommt man dies und das billiger" sowie "dies und das kann man doch auch selber machen" erübrigen sich, da sie das Twike (vorwiegend Fahrradtechnik) noch besser dastehen lassen.

Cheers

Frank






Links zu Quellen bzgl. Gesamtkostenbetrachtung und Kostenvergleich:
http://www.focus.de/auto/autoaktuell/unterhaltskosten_aid_20187.html
http://www.adac.de/Auto_Motorrad/autokosten/autokosten_kurzuebersicht/default.asp?TL=2
http://www.saschajakobi.de/homepage/20040424autokosten.htm

Vergleich der einzelnen Service Posten:
  • * 1x Radwechsel Smart im Autohaus: Räder ab- und anmontieren, auswuchten: 57,- EUR - beim Twike Händler das Gleiche. Drei Reifen fürs Twike: 111 EUR, 4 Reifen für den Smart: 253 EUR. Da der Smart immer Sommer- und Winterreifenwechsel benötigt, das Twike aber auf jeden Fall doppelt so häufig neue Reifen braucht (10.000 km Vorderreifen, 5.000 km Hinterreifen, aber nur 3 Räder) haben wir hier in etwa Gleichstand.
    * Wartung/Service: Beim Smart zum ersten Mal nach einem Jahr (20.000 km) - zwingend für Gewährleistung, 245 EUR - Twike im ersten Jahr reale Service Kosten 5000km (232 EUR), 10000 km (303 EUR) , 15000 km (232 EUR), gesamt 936 EUR. Arbeiten/Nachbesserungen, die nicht auf Gewährleistung gehen (169 EUR). Der Service alle 5.000 km ist die ersten beiden Jahre Gewährleistungsrelevant, daher ist das Twike anfangs deutlich teurer als ein modernes Serienfahrzeug. Ab dem dritten Jahr nur noch ein grosser und ein kleiner Service jährlich.



Mitsubishi i-MiEV + Citysax 002, davor/formerly Twike 808 and 891
http://images.spritmonitor.de/452209_5.png
Written on: 10 September 2007 [18:25]
Franko30
Administrator
registered since: 08.09.2007
Posts: 88
Hallo,

um die Kostenfrage getrennt von der Zukunftsfrage diskutieren zu können, habe ich den Thread "Gesamtkosten Twike und fossil betriebene PKW" unter

http://www.ecocarforum.com/forum/posts//gesamtkostenbetrachtung_twike_und_fossil_betriebene_pkw.html

gestartet.

Cheers

Frank


Mitsubishi i-MiEV + Citysax 002, davor/formerly Twike 808 and 891
http://images.spritmonitor.de/452209_5.png



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